In unserer Umwelt und Natur sind Wildkräuter ein großer Bestandteil und wichtig für das biologische Gleichgewicht. Sie sind ursprünglich und gewinnen erst in letzter Zeit überhaupt wieder an Bedeutung.

Unsere Vorfahren waren mit diesen Urpflanzen eng vertraut und nutzten diese für ihre Nahrung, Getränke sowie für das gesundheitsfördernde Leben. Viele Rezepte und Verwendungsweisen waren bekannt und wurden mündlich überliefert und auch weitergegen.

Lange Zeit gerieten die Wildkräuter in Vergessenheit, wahrscheinlich auch wegen der Möglichkeit, sich nicht mehr selbst versorgen zu müssen, sondern in Supermärkten und im Handel Lebensmittel zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Mittlerweile ist jedoch wieder ein Do-it -yourself Trend erkennbar, der außerdem Umweltaspekte beinhaltet. Die Frage lautet „Wie kann ich selbst etwas für mich und die Umwelt tun?“. Aktivitäten wie Stricken, Brot selbst backen, etwas tauschen, Teilen von Lebensmitteln, sich ein Ackerstück mieten und selbst Gemüse anbauen, wieder einen Schrebergarten besitzen, bewusst, nachhaltig, biologisch, ursprünglich leben wollen sind en vogue.

Auch im Nahrungsmittelbereich sehen wir den Trend „Zurück zur Natur“: Es haben Hot-Spots wie das „wild food cafe“ in London eröffnet oder in Berlin die Markthalle 9 in Kreuzberg, die für gute, handwerkliche Herstellung von Lebensmitteln steht. Selbst in der Spitzengastronomie eröffnet das neu „Norma“ in Kopenhagen dieses Jahr direkt in einem Garten, eingebettet in eine natürliche Umgebung und in die Pflanzenwelt.

 

  

Unsere heimischen Wildkräuter eignen sich hervorragend für Grüne Smoothies oder Salate, zum Kochen oder eben auch zum Brauen. Durch sie verbinden wir uns mit dem Ursprünglichen, mit uns Selbst und der Natur, nehmen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente frisch zu uns, spüren die Lebendigkeit der Nahrung, denn der menschliche Organismus weiß in seinem Innersten, was ihm gut tut und greift so auf das alte Wissen zurück, dass von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

 

Beifuß

(Artemisia vulgaris) auch Besenkraut, Wilder Wermuth, Frauenkraut, Schoßwurz, Jungfernkraut, Weiberkraut.

Ist eine Gewürz- und Heilpflanze die zur Familie der Köpfchenblütler gehört.
Heimisch in Europa und Nordamerika. Vorkommen an Bahndämmen, Zäunen, Wegrändern, Böschungen, Hecken, auch in der Stadt an Baumfeldern.
Wirkstoffe: Bitterstoffe, ätherische Öle, Inulin, Vitamine A,B,C
Eigenschaften: appetitanregend, galletreibend, fiebersenkend, krampflösend.
Im Mittelalter wurde die Blüten als Gewürz verwendet, gegen Frauenleiden und Menstruationsbeschwerden, gegen Müdigkeit und Wurmbefall.
Heute verwendet man Beifuss u.a. bei fetten Speisen wie Gänsebraten, um die Verdauung zu fördern.

 

Brennessel

(Urtica dioica, Urtica urens), auch Eselskraut, Scharfnessel.

Sie ist mit die bekannteste Kräuterpflanze, da ihre Begegnung bleibende Spuren hinterlässt, man findet sie in ganz Europa und sogar in kargen großen Höhen.
Sie wächst an Zäunen, Waldrändern, Hecken, Gräben, Halden.
Wirkstoffe: Histamin, Lecithin, Eisen, Kalzium, Kieselsäure, Ameisensäure, Acetylcholin, Vitamin A, Stereole.
Erntezeit, fast das gesamte Jahr die jungen Blätter, sowie die Brennesselfrüchte nach der Blüte, Jun bis September.
Eigenschaften: milchtreibend, harntreibend, adstringierend, stoffwechselanregend,
daher gerne zum Entschlacken zum Fasten genommen.
Früher wurden aus ihr Stoffe gewebt und anschließend Kleidung genäht, sie galt als Potenzmittel.
Sie hilft bei Gicht, Rheuma, Haut- und Harnwegsinfekten. Haarwasser bei Haarausfall
Die jungen Blätter eignen sich für Spinatartiges Wildgemüse, sowie für Aufläufe.

 

Gundermann

(Glechoma hederacea), auch Gundelrebe, Erd-Efeu, Wundrebe, Donnerrebe

Familie der Lippblütler wächst in ganz Europa an Zäunen, Wegrändern, Gärten, feuchten Wiesen, Rasen und Wäldern, im Bergland sogar bis 1500m oft großflächige besiedelt.

Hildegard von Bingen schätze diese Pflanze sehr. Im altgermanischen wurde sie gegen Wund und Eiter genutzt. Für die Gründonnerstagssuppe, sowie als Bierwürze sehr beliebt, bis sie durch den Hopfen und das Reinheitsgebot ersetzt wurde. In England wurde es bis ins 18. Jahrhundert zum Bier brauen genutzt (engl Name ale-hoof) genutzt.
Gesammelt wird das blühende Kraut von April bis Juni.
Eigenschaften zusammenziehend und schleimlösend, aphrodisirend.
Nutzt es deshalb bei Husten und Entzündungen zum Gurgeln in Mund und Rachen, auch für kleine Verletzungen und Mückenstiche soll der Pflanzensaft helfen, in der Kräuterküche als Gewürz.

 

Holunder

(Sambucus Nigra) Holder, Holler, Frau Holle, Frau Ellhorn

Wächst in Gärten und Wäldern, Viehweiden, Schuttplätzen, bevorzugt am Haus, in Europa, gehört zur Familie der Caprifoliaceae.
Wirkstoffe: Gerb- und Bitterstoffe, ätherische Öle, Farbstoffe, Vitamine
Blüten und Beeren sind oft genutzt, wohl schon seit der Altsteinzeit.
Eigenschaften: erweichend, harntreibend, sedativ, Schweissfördernd, Blutreinigend.
Die Blüten sind ab Mai und die Beeren ab September erntereif.
Hilft bei fiebrigen Erkältungen, Husten, Schnupfen. In der Küche wird Saft oder Gelee hergestellt, die Blüten lassen sich auch wunderbar in Teig frittieren.

 

Scharfgabe

(Alchemilla millefolium), auch Blutkraut, Wundkraut, Zimmermannskraut

Der Korbblütler wächst in vielen Teilen Europas und Amerikas an Weg- und Straßenrändern sowie auf Flächen Wiesen, Feldrändern und sonnige Berghängen.
Wirkstoffe: ätherische Öle, Azuleb , Bitterstoffe, Inulin, Harz, Kieselsäure.
Eigenschaften: adstringierenden, antiseptisch, einstreuende, Menstruationsregulierend, Wechseljahrbeschwerden regulierend.
Blüten nach längerer Sonneneinstrahlung pflücken, hilfreich bei Schwindel, Sodbrennen, Übelkeit, Nasenbluten, Appetitanregend, bei Schlafproblemen, Wechselzeiten bei der Frau, Anämie, Leber- und Galleschwäche.